← Zurück zu Horst
Freie PresseGlauchau · 01.06.2026 · 16:30

Gebaut als Einkaufswagen: Das vielleicht hässlichste Auto bei der Sächsischen Meister-Classic kommt aus Glauchau

Von Stefan Stolp

Von den knapp 100 Oldtimern, die am Wochenende an den Start gehen, sticht einer besonders heraus: Das hässliche Entlein unter all den Schönheiten.

Glauchau. Horst wird offenbar mit Abstand der hässlichste aller Teilnehmer an der Sächsischen Meister-Classic sein. Dabei ist Horst kein Fahrer und auch kein Beifahrer, sondern so wird das Auto genannt, mit dem Studierende der Dualen Hochschule Glauchau am Wochenende an den Start der Rallye der Kfz-Innung Sachsen West/Chemnitz gehen werden.

Wie aus einer Kinderzeichnung

Und während viele ihre liebevoll gepflegten Oldies im attraktiven Design aus den Garagen holen und präsentieren, sticht das Glauchauer Auto anders ins Auge. Es sieht ein bisschen so aus, als sei es einer Kinderzeichnung entsprungen. Doch dahinter verbirgt sich ein AWS Shopper aus dem Jahr 1974. „Ein äußerst seltenes Auto", sagt Robert Schönherr, Laborleiter am Glauchauer Campus, der mit dem Studiengangsleiter Automobil- und Mobilitätsmanagement Andrej Cacilo das fakultative Studienprojekt „Horst" aus der Taufe gehoben hatte.

Als Einkaufswagen gedacht

Das Fahrzeug stammt aus dem Automobilwerk Walter Schätzle (AWS), das in den Jahren 1973 und 1974 in Berlin existierte und um die 1.700 Autos produzierte. Der „Shopper" sollte vor allem zum Einkaufen genutzt werden. Vor sechs Jahren kam ein Exemplar an die Glauchauer Bildungseinrichtung. Der Förderverein hatte den Kauf finanziell unterstützt.

Interessierte Studenten kümmern sich seitdem nebenbei um das Auto und lernen die einfachen Grundprinzipien der Automobilbautechnik am Objekt kennen: Achsaufhängung, Lenkung, Hubkolbenmotor. „Und sie lernen, am 3-D-Drucker digitale Zwillinge zu erstellen", sagt Schönherr.

Spaß steht im Vordergrund

Schönherr und Cacilo hatten auch die Idee, dass Studenten mit Horst an der Rallye am Wochenende, die durch das Vogtland und das Erzgebirge führt, teilnehmen. Wird Horst mit seinen knapp 14 PS die Prüfungen während der Rallye bestehen können? Robert Schönherr weiß es nicht genau. „Für uns und die Studierenden steht der Spaß im Vordergrund", sagt er. Dabei sollen die jungen Leute vor allem mit anderen Oldtimerfans und Fachleuten ins Gespräch kommen. Horst selbst hat bislang erst 9.700 Kilometer auf dem Zähler. Für das Alter ist das nichts. „Er ist unser Liebling, auch wenn er hässlich ist", sagt Schönherr. (sto)